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Alkohol und Jugendliche  
Alkohol und Jugendliche

Warum macht Alkohol süchtig?
Warum ist Alkohol für Jugendliche besonders gefährlich?
Wie äußert sich Alkoholabhängigkeit?
„Sich mal ordentlich besaufen, dann ist man für immer kuriert” - stimmt das?
Warum sind gerade Teenager anfällig für Trinkexzesse?
Warum trinken Jugendliche Alkohol?
Wie ist die Gesetzeslage in Deutschland?
Steigt der Alkoholkonsum unter Jugendlichen in Deutschland?
Wie sind die gesetzlichen Regelungen im europäischen Vergleich?
Bist du stärker als der Alkohol?

Kenn dein LimitWarum macht Alkohol süchtig?
Alkohol wirkt, ebenso wie andere Drogen, auf das sogenannte „mesolimbische Belohnungssystem”. Das ist eine Region im Zentralhirn, die für positive Lerneffekte zuständig ist. Wird der Botenstoff Dopamin dort ausgeschüttet, speichert das Gehirn zuvor ausgeführte Handlungen als positiv ab. Der Körper merkt sich: Das will ich wieder tun. Das Alkohol-Abbauprodukt Ethanal bewirkt die Ausschüttung eines Glückshormons, welches die Dopaminausschüttung stimuliert und somit das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Alkoholkonsum wird als positive Verhaltensweise vermerkt. Diese positive Rückkoppelung macht süchtig, weil der Körper eine Wiederholung der belohnten Handlung anstrebt.

Warum ist Alkohol für Jugendliche besonders gefährlich?
Das jugendliche Gehirn lernt schneller und besser als das erwachsene. So auch den positiv besetzten Alkoholkonsum. Assoziationen wie „Alkohol und eine lustige Party gehören zusammen” werden im jugendlichen Gehirn wirkungsvoller vermerkt. Je früher und damit je länger das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert wird, desto tiefer brennt sich dort der gelernte Effekt ein. Die Gefahr, alkoholkrank zu werden, steigt. „Gefährlich sind bei Jugendlichen auch die sozialen Folgeschäden”, sagt Dr. Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Jugendliche befinden sich in einer kritischen Lebensphase, in der sie Leistungen erbringen und sich beweisen müssen. Übermäßiger Alkoholkonsum beeinträchtigt das Verhalten negativ und kann zu einer Verschlechterung der Leistungen führen. „Es entsteht ein Teufelskreis”, so der Mediziner. „Die daraus entstehenden sozialen Probleme verstärken möglicherweise den Drang nach Alkohol.”

Wie äußert sich Alkoholabhängigkeit?
Eine psychische Abhängigkeit besteht dann, wenn die Signale des Belohnungssystems größer sind als die Signale des Kontrollsystems. Es entsteht ein Suchtdruck: Die Gedanken kreisen immer stärker um das nächste Glas. Aus einem geplanten Bier werden schnell fünf oder sechs unkontrollierte. „Ein Alkoholkranker beginnt Dinge, die er früher gerne gemacht hat, nicht mehr zu tun und legt stattdessen Verhaltensweisen an den Tag, die ihm den Alkoholkonsum erleichtern”, sagt Kiefer. „Er geht nicht mehr zum Sport, sondern lieber zum Fußballplatz, weil dort alle trinken.” Physische Entzugserscheinungen wie Nervosität, feuchte Hände und Zittern setzten erst viel später ein.

Sich mal ordentlich besaufen, dann ist man für immer kuriert” - stimmt das?
Das hängt entscheidend davon ab, wieviel Alkohol der Einzelne verträgt. Und das ist rein genetisch bedingt. Das Geschlecht spielt hier nur mittelbar, aufgrund der Körpermasse, eine Rolle: Weil Mädchen meist zierlicher sind und weniger wiegen, vertragen sie auch weniger Alkohol. Geht es dem Jugendlichen nach seinem ersten Vollrausch so schlecht, dass der Kater größer ist als die positiven Belohnungseffekte, kann das den Jugendlichen für immer abschrecken. Verträgt er den Alkohol aber gut, wird damit eher eine spätere Alkoholsucht provoziert.

Warum sind gerade Teenager anfällig für Trinkexzesse?
In der Pubertät entwickelt sich das Gehirn des Menschen weiter - jedoch in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Das „limbische System”, zu dem auch das Belohnungssystem gehört und das für die Emotionen zuständig ist, reift bei Teenagern zur vollen Funktionsfähigkeit heran. Dieses emotionale Zentrum lässt den Menschen nach kurzfristigen Kicks suchen, wie sie Sex und Drogen verursachen. Darüber bildet sich im Lauf der Jahre ein zweites „System” aus: das denkende, planende und reflektierende Gehirn, das für langfristige Denkprozesse zuständig ist. Allerdings entwickelt sich dieses „Stirnhirn”, das manche Forscher als „Sitz der Zivilisation” bezeichnen, erst gegen Ende der Pubertät. Die Konsequenzen, die Trinkexzesse haben können, dringen also erst im Laufe der Jahre ins Bewusstsein.

Warum trinken Jugendliche Alkohol?
„Viele Kinder hatten schon vor ihrer Alkoholikerkarriere psychische Probleme”, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater des Krankenhauskonzerns Vivantes, Oliver Bilke. Mit dem Alkohol wollen sie unangenehme Erinnerungen, Versagensängste und Depressionen verdrängen. „Einigen schmeckt der Alkohol eigentlich gar nicht”, sagt Bilke. Aber er betäubt. Zwei Gruppen von Kindern sind für Alkoholmissbrauch anfällig: Viele jugendliche Alkoholiker kommen aus Problemfamilien. Die andere Gruppe suchtgefährdeter Jugendlicher ist von Neugier getrieben. Durch Gruppenerfahrungen, in denen Alkoholkonsum positiv bewertet wurde, können auch Kinder aus stabilen Familienverhältnissen in die Alkoholabhängigkeit geraten. Pubertierende wollen beeindrucken, dazugehören, Anerkennung bekommen.

Wie ist die Gesetzeslage in Deutschland?
Nach dem Gesetz zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit dürfen Jugendliche ab 16 Jahren Wein, Bier und Sekt in Gaststätten konsumieren und im Supermarkt kaufen. Spirituosen sind erst ab 18 Jahren erlaubt. Unter diese Regelung fallen auch die sogenannten „Alcopops”. Was viele nicht wissen und worauf Klaus Joelsen vom Münchner Stadtjugendamt Fachstelle Jugendschutz höchst ungern hinweist: „In Begleitung der eigenen Eltern dürfen Jugendliche schon ab 14 Jahren Bier, Wein und Sekt in Gaststätten trinken.”

Steigt der Alkoholkonsum unter Jugendlichen in Deutschland?
Laut Statistiken des Bundes steigt die Zahl der Klinik-Einlieferungen der 15- bis 25-Jährigen aufgrund von Alkoholmissbrauch rasant: Wurden im Jahr 2000 16.731 Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung behandelt, waren es 2004 bereits 24.810. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse landeten 2006 drei von 1000 Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren mit einem Vollrausch oder einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus, fast doppelt so viele wie 2001. Alkoholbedingte Notfälle bei Jugendlichen stiegen nach Angaben der Krankenkasse um 72 Prozent an. Dabei werden die Rauschpatienten immer jünger. Nach EU-Angaben machen Jugendliche ihre erste Alkohol-Erfahrung im Schnitt mit 12, den ersten Vollrausch erleben sie mit 14.

Wie sind die gesetzlichen Regelungen im europäischen Vergleich?
Im Vergleich mit anderen Ländern sind die Altersbeschränkungen locker. In Europa sind nur Italien und Portugal noch lascher. Hier dürfen Jugendliche mit 16 Jahren auch schon Spirituosen kaufen. Vergleichbare Regeln wie in Deutschland gibt es in Frankreich, England und den Niederlanden. Am strengsten sind die Gesetze in Island. Dort bekommt man Alkohol erst ab 20 Jahren. Dass Altersbegrenzungen allein das Problem nicht beheben, zeigt das Beispiel USA. Hier darf Alkohol erst ab 21 Jahren ausgegeben werden. Trotz des Verbots haben 80 Prozent der 18-jährigen Collegebesucher schon Alkohol getrunken, wie eine Studie der University of Michigan belegt.

Expertin Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen warnt deshalb vor einseitigen Maßnahmen.


Quelle: Merkur@online.de - Marlene Halser

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01.11.2014
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