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Was ist Sucht?  
Was ist Sucht?

Herkunft des Begriffes Sucht
Sucht - fehlgeleitete Suche
Sucht ist ...
Diagnostik
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Herkunft des Begriffes Sucht
Der Begriff "Sucht" wird umgangssprachlich auf viele Krankheiten und Verhaltensstörungen angewendet. "Sucht" ist nicht verwandt mit "suchen", sondern geht auf das Wort "siechen" zurück.

Die veraltete Bezeichnung von Krankheiten, wie Wassersucht, Fettsucht, Geldsucht, Trunksucht orientierte sich an den Sympthomen: Der Wassersüchtige siecht dahin, weil sich in seinem Körper Wasser sammelt, der Fettsüchtige an seiner Fettleibigkeit, der Trunksüchtige siecht daran, dass er zuviel trinkt usw.

Erst im 20. Jahrhundert bildete sich der moderne Suchtbegriff im Sinne von Abhängigkeit. Er bezog sich zunächst auf die Trunksucht, also den Alkoholismus, wurde nach und nach aber auch auf andere Abhängigkeiten ausgedehnt, wobei sich die Bezeichnung in der Regel auf das Suchtmittel bezieht (z. B. Nikotinsucht oder Tablettensucht).

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Abhängigkeitsbegriff auf andere zwanghafte Ersatzhandlungen erweitert. Patienten sind dabei ihrem Suchtverhalten ähnlich ausgeliefert wie Substanzabhängige. Diese Süchte werden nach dem Suchtverhalten benannt: Spielsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Ess-Brech-Sucht.

Sucht - fehlgeleitete Suche
Obwohl der Begriff "Sucht" nicht von "suchen" kommt, steht psychologisch hinter der Sucht immer eine stellvertretende Suche nach Beziehung, Liebe, Glück, Kontakt, Lust, Zufriedenheit etc., die natürlich auf diesem Weg erfolglos bleibt. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Ersatzhandlung, bei der die geistige und emotionale Energie auf die Auseinandersetzung mit dem Suchtmittel gerichtet ist. Die Notwendigkeit menschlicher Kontakte und oft auch die Anforderungen des Alltags werden missachtet. Dies gilt sowohl für die stofflichen Süchte mit körperlicher Abhängigkeit, als auch für die nicht-stofflichen Süchte. Bei den nicht-stofflichen ist das Suchtmittel die Beschäftigung mit beispielsweise Arbeit, Essen, Sex, Computer usw. Wie bei allen Süchten sind die Suchtmittel veränderlich und die vielfältigen Formen der Süchte können ineinander übergehen und sich vermischen.

Sucht ist ...
"Sucht ist in erster Linie ein psychisches Problem, mit in der Regel bald auftretenden sekundären, körperlichen und sozialen Folgen. Sucht ist gekennzeichnet durch einen eigengesetzlichen Ablauf und durch den fortschreitenden Verlust freier Verhandlungsfähigkeit und Kontrolle über das eigene Verhalten. Sucht liegt dann vor, wenn eine prozesshafte Abfolge in sich gebundener Handlungen kritisch geprüfte, sorgfältige und folgerichtig gesteuerte Handlungsabläufe ersetzt. Sucht ist stets Krankheit." (Klaus Wanke und Karl Ludwig Täschner, Rauschmittel, Stuttgart 1985, S. 13)

"Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums" (K. Wanke , in: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.). Süchtiges Verhalten, 1985, S. 20)

Sucht ist "ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch 4 Kriterien (Definition der WHO 1957):

  • Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,
  • eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung),
  • die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge,
  • die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft."

Die Weltgesundheitsorganisation definiert außerdem: Es gilt jede Substanz als Droge, die in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermag. Dieser erweiterte Drogenbegriff erfasst nicht nur Cannabisprodukte, Halluzinogene, Stimulantien, Schnüffelstoffe, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol, Tabakerzeugnisse, Schmerzmittel Opiate und Kokain. Er bezieht sich auch auf Alltagsdrogen wie z.B. Kaffee und Tee und grenzt Drogen einerseits sowie Genuss- und "Lebens"mittel andererseits nicht mehr trennscharf voneinander ab (s. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule, Baustein 1: Konzeption zur Suchtvorbeugung in der Schule, Soest,. 1988, S. 14).

"Sucht zeigt sich als latente Suchthaltung und als manifestes süchtiges Verhalten. Süchtiges Verhalten mit Krankheitswert liegt vor, wenn dieses nicht mehr angesichts einer Flucht- oder Unwohlsituation eintritt, sondern zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird, das sich selbst organisiert hat und sich rücksichtslos beständig zu verwirklichen sucht. Suchthaltungen als Folgen von mangelndem Selbstvertrauen und Minderwertigkeitsgefühlen, von Verantwortungsscheu und Problemangst werden meist in Kindheit und Jugend erlernt. Ursachen entstehender Suchthaltungen können darin liegen, dass Heranwachsenden wenig Möglichkeiten eingeräumt werden, ihre Identität in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt zu entwickeln, weil ihnen von Eltern, Lehrern und Ausbildern zuviel erspart und abgenommen oder zuviel zugemutet worden ist. Vorbildwirkungen sowie bewusste und unbewusste Identifikationswünsche von Kindern und Jugendlichen gegenüber Erwachsenen können außerdem eine große Rolle bei der Entstehung von Suchthaltungen spielen. Wenn sich die Tendenzen zu Ausweichverhalten und Ersatzhandlungen dauerhaft verfestigen, kann aus Suchthaltungen manifest süchtiges Verhalten werden - besonders bei außergewöhnlichen Belastungen und Konflikten wie z.B. Schulversagen, Außenseiterstellung in der Schulklasse, Jugendarbeitslosigkeit, Bruch mit Freund oder Freundin." (vergl. Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule, Soest, 1988, S. 18 f).

Diagnostik
Die ICD-10 definiert 6 Kriterien, von denen mindestens 3 erfüllt sein müssen, um die Diagnose stellen zu können:

  • Starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken
  • Kontrollverlust in Bezug auf die Menge, den Beginn oder das Ende des Konsums
  • körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion
  • Toleranzentwicklung
  • Vernachlässigung anderer Tätigkeiten, um stattdessen zu konsumieren, Alkohol zu beschaffen, oder sich vom Konsum zu erholen
  • Trotz nachgewiesener körperlicher Spätfolgen weiterer Alkohol-Konsum

Als Screening-Instrument für den Allgemeinarzt bewährte sich das CAGE-Interview. Mindestens zwei „Ja“ auf die folgenden Fragen weisen auf eine Alkoholabhängigkeit hin.

  • C = Cut down: „Haben Sie (erfolglos) versucht, Ihren Alkoholkonsum einzuschränken?“
  • A = Annoyed: „Haben andere Personen Ihr Trinkverhalten kritisiert und Sie damit verärgert?“
  • G = Guilty: „Hatten Sie schon Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?“
  • E = Eye Opener: „Haben Sie jemals schon gleich nach dem Aufstehen getrunken, um 'in die Gänge zu kommen' oder sich zu beruhigen?“
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